Umfangreicher Beobachtungskalender und Informationsrechner

 

 

 


Das dritte Himmelsquartal 2017
Merkur und Venus am Morgenhimmel / Perseïden

Sternenhimmel

Hoch im Meridian finden wir nun wieder das Sommerdreieck. Bestehend aus den Sternen Atair im Adler, Deneb im Schwan und Wega in der Leier, hat es seinen Platz inmitten der Sommermilchstraße. Diese zieht sich nun vom Südhorizont über die Sternbilder Schütze, Adler, Schwan, Kepheus und Cassiopeia zum Nordhorizont und kann schon vom Stadtrand bei guter Durchsicht gut beobachtet werden. Unter einem guten Landhimmel oder im Urlaub unter südeuropäischen Sternen ist man beeindruckt von den stark strukturierten Milchstraßenwolken. In Horizontnähe kann man dort auch das Zentrum unserer Heimatgalaxie sehen, welches von großen Dunkelwolken verdeckt wird. Diemeisten Frühlingssternbilder haben sich im Westen bereits von uns verabschiedet. Nur Bootes ist noch relativ gut am Westhimmel zu sehen. Im Osten künden bereits die Sternbilder Pegasus und Andromeda von der kommenden Jahreszeit.

 

Meteore

Bereits vom 8. Juli bis 19. August wird dieser schöne Sternhimmel vom Sternschnuppenstrom der südlichen Delta-Aquariden verziert. Diese werden am 28. Juli mit einer ZHR von 18 Objekten pro Stunde ihr Maximum haben und scheinbar aus dem Sternbild Wassermann kommen. Bei einer  Eintrittsgeschwindigkeit von 42 km/s handelt es sich um eher schnelle Objekte. Ein Ursprungskörper ist nicht bekannt. In der Zeit vom 17. Juli bis 24. August kann man dann wieder die Perseïden beobachten. Diese werden in der Nacht vom 12. auf den 13. August mit einer ZHR von 100 Objekten pro Stunde ihr Maximum haben und diesmal scheinbar aus dem Sternbild Kassiopeia kommen. Mit einer Eintrittsgeschwindigkeit von 60,4 km/s handelt es sich um schnelle Objekte, die ihren Ursprung im Kometen 109P/SWIFT-TUTTLE haben. Leider geht an diesem Abend der zwar abnehmende, aber noch fast halbe Mond bereits um 23:00 MESZ auf und befindet sich dann etwa 50° vom Radianten entfernt, so dass nach Mitternacht die Bedingungen deutlich schlechter werden für eine Beobachtung.

 

Planeten

Am 12. September steht der sonnennächste Planet Merkur in seiner größten westlichen Elongation und kann somit in der Zeit vom 10. bis 22. September am Morgenhimmel beobachtet werden. Am 13. September steht er mit einem scheinbaren Durchmesser von 7'' in seiner Dichotomie (Halbphase). Seine Helligkeit steigt von anfangs 0m0 auf -1m1 zum Ende seiner Sichtbarkeit. Eine schöne Konstellation ergibt sich am Morgen des 18. und 19. September, wenn gegen 05:00 MESZ die sehr schmale, abnehmende Mondsichel, Merkur, Mars, Venus und der Stern Regulus in einer Reihe tief über dem Osthorizont stehen.

Venus ist im gesamten dritten Quartal unübersehbar am östlichen Morgenhimmel sichtbar. Ihre Helligkeit sinkt nur wenig von anfangs -4m0 auf -3m9 Ende September bei dann 91 % Beleuchtung und einem nahezu runden Planetenscheibchen. Ihr scheinbarer Durchmesser schrumpft im gleichen Zeitraum von 18'' auf 11'' Ende September.

Der bläuliche Gasplanet Neptun steht am 5. September in Opposition zur Sonne.Mit einer Helligkeit von 7m8 und einem scheinbaren Durchmesser von 2,4'' kann man ihn bereits mit einem Vierzöller nahe des 3m7 Sterns l Aquarii finden, jedoch keine Einzelheiten auf seinem Planetenscheibchen erkennen. Am Tag seiner Opposition trennen ihn rund 4,3 Milliarden Kilometer von der Erde! Mit Teleskopen ab 12 Zoll kann man auch den größten Neptunmond Triton visuell beobachten!

Der Zwergplanet Pluto steht am 10. Juli mit einer Helligkeit von 14m2 in Opposition zur Sonne. Fotografisch ist dieses lichtschwache Objekt bereits mit einem Achtzöller erreichbar. Zurzeit ist Pluto rund 4,8 Milliarden Kilometer von uns entfernt, sein Licht braucht 4 Stunden und 29 Minuten uns zu erreichen!

 

Finsternisse

Am 21. August findet in den USA eine totale Sonnenfinsternis statt! Die Totalitätszone verläuft vom Nordostpazifik über die USA bis weit in den Atlantik. Wer vorhat in die Totalitätszone zu reisen, kann viele Informationen hierzu im Internet recherchieren. Wer nicht bereit ist, die bis zu dreimal so hohen  Hotelpreise zu zahlen und sich mit einer partiellen Sonnenfinsternis begnügen möchte, könnte am Abend des 21. August in Lissabon eine fast 20 %  verfinsterte Sonne untergehen sehen! Um 19:45 MESZ ist dort der Beginn der partiellen Verfinsterung. Zu Sonnenuntergang um 20:22 MESZ ist die Sonne dann 19,2 % verfinstert.

 

Kleinplaneten

Am 2. Juli wird der Kleinplanet (3) Juno im Sternbild Schild in Opposition zur Sonne stehen. Dieser 250 Kilometer große Himmelskörper wurde am1.  September 1804 von Karl Ludwig HARDING an der Sternwarte in Lilienthal entdeckt. (89) Julia steht am 8. September im Sternbild Pegasus in  Opposition. Sie wurde am 6. August 1866 von STEPHAN in Marseille entdeckt und hat einen Durchmesser von 150 Kilometern. Kleinplanet (3122) Florence erreicht am 31. August seine größte Helligkeit mit 8m4 und mit 0,049 AE (18,9 Monddistanzen) seine Erdnähe im Sternbild Wassermann. Dieser 4,9 Kilometer große Asteroid wurde am2.März 1981 von BUS in Siding Spring entdeckt. In Abb. 1 ist ein kurzer Abschnitt seiner Bahn zu sehen (30.Aug. 00:00 bis 1. Sept. 12:00,MESZ).

 

Bahnstück des Kleinplaneten Florence in den Sternbildern Wassermann, Kleines Pferd und Delphin in den Tagen der größten Erdnähe (30.08. bis 01.09.2017, angegebene Zeiten in MESZ)

bild 01

 

Tabelle 1: Daten der beschriebenen Kleinplaneten

Planetoid Datum α δ Mag. Konst.
(3) Juno 25.06.
01.07.
05.07.
18h47m
18h41m
18h38m
-04°53'
-04°59'
-05°07'
9m8
9m8
9m7
Sct
(89) Julia 05.09.
10.09.
15.09.
22h48m
22h43m
22h37m
+11°19'
+11°34'
+11°45'
9m0
9m0
9m1
Peg
(3122) Florence 30.08.
31.08.
01.09.
21h33m
21h23m
21h13m
-13°22'
-04°29'
+04°52'
8m4
8m4
8m6
Aqr
Equ
Del

 

Deep-Sky-Objekte

Unsere Deep-Sky-Tour soll uns diesmal in das Gebiet der kleinen Sternbilder Füchschen (Vulpecula, Vul) und Pfeil (Sagitta, Sge) führen. Hierfür benötigen
wir natürlich wieder einen dunklen und mondlosen Himmel. Diese Zeiten habe ich in Tabelle 2 zusammengestellt. Die nebenstehende Karte (Abb. 2) zeigt die Himmelsregion im Überblick.

Tabelle 2: Mondlose Beobachtungszeit

13. bis 29. Juli
14. bis 28. August
12. bis 26. September

bild 03Wir starten von der Pfeilspitze g Sge und schieben unser Teleskop 3,3° in nördliche Richtung und kommen schließlich beim Planetarischen Nebel M27 im Füchschen – auch Hantelnebel genannt – an. Dieser Nebel ist so hell, dass er bereits auch in einem 10 x 50 Feldstecher gut zu erkennen ist! In meinem Achtzöller ist er bei einer Vergrößerung von 83xWw am besten zu sehen, wobei man dann mit einem OIIIFilter die sogenannten „Ohren“ erkennen kann – kleine Nebelbögen, die die Hantelspitzen  verbinden. Der Hantelnebel ist 1.400 Lichtjahre von uns entfernt und wurde am 12. Juli 1764 von Charles MESSIER entdeckt. Es wurde festgestellt, dass der Nebel sich noch heute mit einer Geschwindigkeit von 6,8'' pro Jahrhundert ausdehnt und dass sein Zentralstern eine Temperatur von 100.000° Kelvin hat. Nur 15' südöstlich der Verbindungslinie g und d Sge finden wir bereits mit einem 80 mm - Teleskop den Kugelsternhaufen M71 im Sternbild Pfeil. Bereits mit meinem Achtzöller ist er bei V=80x indirekt bis um Kern aufzulösen. Er ist 18.000 Lichtjahre von uns entfernt und gehört somit zum inneren galaktischen Halo, aber hat nur einen Durchmesser von 36 Lichtjahren. Er wurde 1746 von CHÉSEAUX entdeckt und es war lange umstritten, ob es sich wirklich um einen Kugelhaufen handelt, wegen der sehr losen Anordnung seiner Sterne. Rund 2,2° nordwestlich von a Sge kommen wir zum Stern 9 Vul. Von hier sind es nur 2° westlich bis zum offenen Sternhaufen Collinder 399 im Sternbild Füchschen – eine allerdings nicht präzise definierte Anordnung von rund 10 Sternen (Asterismus). Wegen ihrer zufälligen Anordnung im Raum auch „Kleiderbügel“ genannt, da die Mitgliedsterne im astronomischen Fernrohr mit etwas Fantasie als solcher zu erkennen sind. Diese helle Sterngruppierung kann bereits in einem Feldstecher gut gesehen werden, ist 300 Lichtjahre von uns entfernt und ist 200 Millionen Jahre alt. Bereits der persische Astronom AL SUFI erwähnte 964 nach Christus dieses Sternmuster! Nur 18' östlich von Stern 7 Vul im Kleiderbügel finden wir bereits mit einem Vierzöller den offenen Sternhaufen NGC 6802. In meinem Vierzöller war er bei einer Vergrößerung von 53xWw ein sehr kleiner und relativ heller Haufen, der indirekt körnig erscheint. Er wurde am 11. Juli 1784 von William HERSCHEL entdeckt und beinhaltet rund 50 Einzelsterne. Das letzte Objekt für diesen Beobachtungsabend finden wir 3,8° ostnordöstlich von g Sge im Sternbild Pfeil. Es ist der Planetarische Nebel NGC 6886, den Ralph COPELAND am 17. September 1884 entdeckt hat und der 6.500 Lichtjahre von uns entfernt ist. In meinem 16-Zöller ist er bei einer Vergrößerung von 575xWw+UHC(-Filter) als helles Scheibchen ohne Strukturen zu sehen, welches sehr klein und rund ist und einen sehr hellen Kern hat.

Ich wünsche allen wieder viel Spaß beim Aufsuchen und Beobachten der von mir beschriebenen Ereignisse und Objekte!

Tabelle 3: Daten der beschriebenen Deep-Sky-Objekte in den Jagdhunden

Objekt α δ Dimension Mag. Art Konst.
M27 20h00m +22°43' >348'' 7m3 PN Vul
M71 19h54m
+18°47' 7,2' 8m0 KH Sge
Cr 399 19h25m +20°11' 60' 3m6 OH Vul
NGC 6802 19h31m 
+20°16' 3,2' 8m8 OH Vul
NGC 6886 20h13m +19°59' 4'' 11m4 PN Sge

 

 

Zeichnung des Planetarischen Nebels M27 (Hantelnebel), Sternbild Füchschen; s. auch Sternkarte.

bild 04

 

Fotografie des Planetarischen Nebels M27 (Hantelnebel), Sternbild Füchschen; s. auch Sternkarte. Fotografische Aufnahmedaten: 3 x 4min, 1600 ASA plus CLS-Filter, 16-Zöller fokal; 15./16.7.2010.

bild 05

 

Aufsuchkarte im Bereich der Sternbilder Pfeil und Füchschen zum Auffinden von M27 und M71.bild 06

 

Fotografie von M71 im Sternbild Pfeil. Aufnahmedaten: 3 x 3min, 800 ASA, 16-Zöller fokal ohne Filter; 25.09.2008.bild 07

 

Aufsuchkarte für die auffällige Sterngruppe Collinder 399 („Kleiderbügel“) und NGC 6802 über a Sge und 9 Vul.bild 08

 

Sternkarte zum Aufsuchen des Planetarischen Nebels NGC 6886 ausgehend von g Sge.

bild 09

 

Planetarischer Nebels NGC 6886, Zeichnung am Fernrohr.

bild 10

 

 

Quelle: Andreas Kaczmarek

 

 

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