Umfangreicher Beobachtungskalender und Informationsrechner

 

 

 


Das vierte Himmelsquartal 2021
Venus in größtem Glanz, Maximum der Geminiden

 

Sternenhimmel

Wenn es nun abends dunkel und klar wird, kann man hoch im Meridian jetzt wieder das große Pegasus-quadrat, das Herbstviereck, erkennen. Ihm folgt die Sternenkette der Andromeda mit dem für das bloße Auge sichtbaren Andromedanebel M 31 – eine etwa 2,5 Millionen Lichtjahre entfernte Galaxie, die zusam-men mit unserer Milchstraße zur so genannten Lokalen Gruppe gehört. Sie bewegt sich auf uns zu und wird in etwa 4 Milliarden Jahren mit unserer Milchstraße kollidieren! Dann werden beide eine große elliptische Galaxie bilden. Knapp über dem Südhorizont sehen wir den hellen Hauptstern des Südlichen Fisches, Fomalhaut. Zwischen Pegasus und Fomalhaut können wir an einem dunklen Beobach-tungsplatz die lichtschwachen Sterne des Wasser-manns erkennen. Nur knapp südöstlich vom Pegasus ist das lichtschwache Sternbild der Fische. Südlich der Fische folgt dann der Walfisch. Im Zenit finden wir das Himmels-W der Kassiopeia. Etwas östlich von ihr finden wir den Perseus. Zwischen diesen beiden Stern-bildern sehen wir schon am Stadtrand mit dem bloßen Auge ein kleines Sternwölkchen, welches sich bereits in einem Feldstecher in unzählige Einzelsterne auf-lösen lässt. Das ist der Doppelsternhaufen χ und h. Sämtliche Sommersternbilder haben sich mittlerweile in den Westteil des Himmels zurückgezogen. Am Osthorizont machen sich schon die ersten Winterstern-bilder bemerkbar und der Große Wagen „kurvt“ gerade über den Nordhorizont. Die Milchstraße ver-läuft nun vom Osthorizont über den Zenit und verschwindet dann wieder unter dem Westhorizont. Ideal also, um in südlicher, südöstlicher und südwest-licher Richtung auf „Galaxienjagd“ zu gehen, da dort unser Blick ungestört vom Gas und Staub der Milchstraße weit hinaus in den Weltraum führt.

 

Meteore

Vom 4. bis 17. Dezember wird dieser etwas licht-schwache Sternhimmel von den Sternschnuppen der Geminiden verziert, die ihren Ausstrahlungspunkt im Sternbild Zwillinge haben. Ihr Maximum werden sie in der Nacht zum 14. Dezember mit einer ZHR von 150 haben! Es handelt sich bei ihnen um den aktivsten und beständigsten Meteorstrom des ganzen Jahres. Ihren Ursprung haben die Teilchen im Asteroiden (3200) Phaeton, der ein erloschener Komet sein soll. Mit einer Eintrittsgeschwindigkeit von 35 km/s handelt es sich um relativ langsame Objekte. Ihr Radiant (Ausstrahlungspunkt) liegt knapp nordwest-lich vom Stern Castor in den Zwillingen. Leider stört dieses Jahr der etwas mehr als halbe Mond die Beobachtung in der ersten Nachthälfte. Da es aber auch viele hellere Objekte zu sehen geben wird, lohnt es sich mit der Beobachtung trotzdem schon vor Mitternacht zu beginnen.

 

Planeten

Vom 22. Oktober bis 4. November wird es zu einer bescheidenen Morgensichtbarkeit des kleinen und sonnennächsten Planeten Merkur über dem östlichen Horizont kommen. Seine Helligkeit wird in diesem Zeitraum von anfangs -0m3 auf -0m8 am Ende der Sichtbarkeit steigen. Die Halbphase (Dichotomie) erreicht er am 23. Oktober mit einem scheinbaren Durchmesser von 7,1“. Mit 18°24´ wird Merkur am 25. Oktober in größter westlicher Elongation stehen.

Unser Nachbarplanet Venus erreicht am 29. Oktober seine größte östliche Elongation und baut bis dahin also seine Abendsichtbarkeit noch aus. Einen Tag vorher, am 28. Oktober, steht Venus mit einem scheinbaren Durchmesser von 25“ in ihrer Halbphase (Dichotomie). Sie nimmt im vierten Himmelsquartal auch noch leicht an Helligkeit zu; und zwar von -4m5 am Anfang des Quartals auf -4m9 zum Ende des Quartals. Bis Ende Dezember wird sie einen schein-baren Durchmesser von 61“ haben, aber erst am 9. Januar 2022 in unterer Konjunktion mit der Sonne stehen. Die schmale Venussichel wird am 31. Dezem-ber nur noch 3% beleuchtet sein. Auch wenn die Venus nicht besonders hoch am Himmel stehen wird, ist es doch lohnend, die zarte Venussichel schon in einem Vierzöller visuell zu beobachten!

Noch bis Ende des Jahres können auch die beiden großen Gasplaneten Jupiter und Saturn im Süd-westen gut beobachtet werden. Jupiter bei einer Helligkeit von -2m1 und einem scheinbaren Durch-messer von rund 38“. Der Ringplanet Saturn mit 0m8, einem scheinbaren Durchmesser von rund 16“ und einem Ringdurchmesser von 37“. Immer noch gute Voraussetzungen, um diese beiden Planeten im Tele-skop bei einer Vergrößerung von etwa 150x ein-drucksvoll zu beobachten.

Am 5. November kommt dann der grünliche Gas-planet Uranus im Sternbild Widder in Opposition. Mit einer Helligkeit von 5m6 und einem scheinbaren Durchmesser von 3,7“ kann er bei guten Bedingungen zwar mit bloßem Auge am Himmel „entdeckt“ werden, aber in seiner Atmosphäre sind aufgrund seiner geringen Größe im Amateurteleskop keine Einzelheiten zu erkennen. Zur Opposition ist er rund 2,8 Milliarden Kilometer von uns entfernt und sein Licht ist 2 Stunden und 36 Minuten zu uns unterwegs! Ab einer Teleskopöffnung von etwa 350 mm kann man seine vier hellsten Monde Ariel (13m7), Umbriel (14m0), Titania (13m5) und Oberon (13m2) visuell beobachten! Fotografisch besteht bereits ab einer Öffnung von 250 mm eine Chance sie sichtbar zu machen. Die am 10. März 1977 während einer Sternbedeckung entdeckten Uranusringe sind im Amateurteleskop leider nicht sichtbar.

 

Planetoiden

Drei Kleinplaneten erreichen im vierten Himmels-quartal ihre diesjährige Opposition mit einer Helligkeit von mindestens 10m0.
Den Anfang macht (40) Harmonia, die am 31. März 1856 von GOLDSCHMIDT entdeckt wurde und einen Durchmesser von 110 Kilometern hat. Sie erreicht ihre Oppositionsstellung am 1. Oktober im Sternbild Walfisch. Benannt ist sie nach der Göttin der Eintracht.

Am 27. November wird (1) Ceres ihre Opposition im Sternbild Stier erreichen. Sie wurde am 1. Januar 1801 von PIAZZI entdeckt und hat einen Durchmesser von 964 Kilometern. Sie wurde benannt nach der römischen Göttin des Ackerbaus und ist seit dem Jahre 2006 als Zwergplanet eingestuft. Im Asteroiden-hauptgürtel ist sie das größte Objekt und beinhaltet 25% der Gesamtmasse des Hauptgürtels! Vom 31. Oktober bis 25. November wird sie durch den Offenen Sternhaufen der Hyaden wandern und in der Nacht vom 3. auf den 4. November wird sie sehr nah am Stern Aldebaran – dem Hauptstern des Stiers – vorbeiziehen (siehe Abb. 1)! Für Fernglasbeobachter und Astrofotografen sicher ein lohnendes Ziel.

(44) Nysa wird am 10. Dezember ebenfalls im Sternbild Stier ihre Opposition erreichen. Sie wurde am 27. Mai 1857 von GOLDSCHMIDT entdeckt und ist benannt nach dem Ort Nysa in der griechischen Mythologie. Sie hat eine scheibenartige Form und eine sehr helle und gelbliche Oberfläche. Ihre Abmes-sungen betragen 113 x 67 x 65 Kilometer.

 

 

Tabelle 1: Daten der im Text beschriebenen Planetoiden

Planetoid Datum α δ Mag. Konst.
(1) Ceres 25.11.
30.11.
05.12.
04h17m
04h12m
04h07m
+16°45´
+16°50´
+16°57´
7m2
7m2
7m3
Tau
(40) Harmonia 25.09.
30.09.
05.10.
00h51m
00h47m
00h42m
-03°03´
-03°34´
-04°02´
9m6
9m5
9m5
Cet
(44) Nysa 05.12.
10.12.
15.12.
05h18m
05h13m
05h07m
+17°26´
+17°27´
+17°28´
9m2
9m1
9m2
Tau

 

Deep-Sky-Objekte

Für unsere folgende Deep-Sky-Tour im Sternbild Cassiopeia benötigen wir wieder einen dunklen und mondlosen Abend. Diese Zeiten habe ich in Tabelle 2 zusammengestellt.

bild 00

Unser erstes Objekt am heutigen Abend finden wir in der Cassiopeia, indem wir unser Teleskop rund 2° vom Stern δ-Cas in südsüdwestliche Richtung schwenken. Hier finden wir den relativ hellen Offenen Sternhaufen NGC 457, der wegen seines Aussehens auch „Eulenhaufen“ genannt wird. Er wurde am 18. Oktober 1787 von Wilhelm HERSCHEL entdeckt und ist 9.000 Lichtjahre von der Erde entfernt. Sein Durchmesser beträgt etwa 30 Lichtjahre und sein Alter, kosmologisch gesehen, gerade mal „jugend-liche“ 20 Millionen Jahre. Der dominierende Stern ϕ-Cas bildet zusammen mit dem etwas lichtschwächeren Stern HD 7902 die beiden „Augen“ des Haufens. Rund 80 Mitgliedssterne gehören zu diesem Offenen Sternhaufen. Schon in einem guten 10 x 50 Fernglas kann dieser Sternhaufen aufgefunden werden! In meinem 2,5-Zöller war er bei einer Vergrößerung von 46x ein dicht gedrängter Haufen mit vielen Einzel-sternen. Mit meinem Dreizöller sind bei V=76x 14 Einzelsterne sichtbar.

Einen weiteren sehenswerten Offenen Sternhaufen finden wir 2,9° südwestlich von Stern β-Cas. Sozusagen im rechten Winkel zur Verbindungslinie von α-Cas nach β-Cas. Es handelt sich um das Objekt NGC 7789, welches Caroline HERSCHEL am 30. Oktober 1783 entdeckt hat und etwa 7.600 Lichtjahre von uns entfernt ist. Es handelt sich um einen ziemlich alten Sternhaufen, der etwa 1,5 Milliarden Jahre alt ist! Auf einem Durchmesser von 65 Lichtjahren befinden sich rund 15.000 Einzelsterne! Wegen seiner Ähnlichkeit mit einer von oben gesehenen Rose wird er auch „Caroline‘s Rose“ genannt. In meinem Achtzöller ist er bei einer Vergrößerung von 57xWw ein großer, lichtschwacher Haufen mit sehr vielen Einzelsternen. Nun schwenken wir unser Teleskop 1,7° vom Stern α-Cas in östliche Richtung und finden hier den Emissionsnebel NGC 281. Er wurde am 16. November 1881 von Edward Emerson BARNARD entdeckt und ist 9.500 Lichtjahre von uns entfernt. Wegen seiner Ähnlichkeit mit der Videospiel-Hauptfigur wird er auch „Pac-Man-Nebel“ genannt. In diesem Galaktischen Nebel ist auch der Offene Sternhaufen IC 1590 eingebettet, dessen hellstes Mitglied HD 5005 die ionisierende Quelle des Nebels ist. In meinem Achtzöller ist er bei einer Vergrößerung von V=31xWw+OIII(-Filter) ein großer, strukturierter Nebel, der sehr hell ist. Schon in meinem Dreizöller, bei einer Vergrößerung von 16xWw+UHC(-Filter), ist er bei gutem Himmel als relativ heller und diffuser Fleck sichtbar! Als nächstes schwenken wir unser Teleskop oder Fernglas 5,6° von den beiden Offenen Sternhaufen χ und h in nordöstliche Richtung. Hier finden wir dann den Galaktischen Nebel IC 1848, der 7.500 Lichtjahre von uns entfernt ist und ebenfalls von Edward BARNARD entdeckt wurde. Dieser oft als „Seelennebel“ bezeichnete Emissionsnebel beinhaltet mehrere Offene Sternhaufen und die Radioquelle W5. Sein Durchmesser beträgt rund 100 Lichtjahre und an unserem Sternhimmel nimmt er eine Fläche von 4 Vollmonden ein! Mit meinem Achtzöller ist er bei V=31xWw+OIII(-Filter) ein relativ heller Nebel, bei dem die längliche Form gut zu sehen ist. Unser letztes Objekt für heute Abend finden wir 4,7° nordnordöst-lich von χ und h und 5° südöstlich vom Stern ε-Cas. Es ist der Galaktische Nebel IC 1805, der auch unter der Bezeichnung „Herznebel“ sehr bekannt ist. Er ist 7.500 Lichtjahre von uns entfernt und wurde bereits am 3. November 1787 von Wilhelm HERSCHEL ent-deckt. Eingebettet in diesem Nebel ist der Offene Sternhaufen Melotte 15, der den Nebel ionisiert und zum Leuchten bringt. Zusammen mit IC 1848 befindet er sich im sogenannten Perseus-Arm unserer Milch-straße. Der hellste Teil des Nebels wurde zuerst entdeckt und bekam zunächst die Katalognummer NGC 896. Schon in meinem Dreizöller ist er bei einer Vergrößerung von 13xWw+UHC(-Filter) eine auf-fällige Nebelmasse mit einigen Verdichtungen, die durch Schwenken des Teleskops den Nebel deutlicher hervortreten lässt.

 

Ich wünsche wieder allen viel Spaß beim Aufsuchen und Beobachten der von mir beschriebenen Ereignisse und Objekte!

 

Tabelle 2: Mondlose Beobachtungszeit

bis 12. Okt.
27 Okt. bis 10. Nov.
26. Nov. bis 09. Dez.
ab 24. Dez.

 

Tabelle 3: Daten der im Text beschriebenen Deep-Sky-Objekte

Objekt RA Dekl. Dimension Mag. Art
NGC 281
NGC 457
NGC 7789
IC 1805
IC 1848
00h53m
01h19m
23h57m
02h33m
02h51m
+56°37´
+58°20´
+56°44´
+61°27´
+60°26´
35 x 30´
13´
15´
60´
120 x 55´

6m4
6m7
GN
OH
OH
GN
GN

 

Ceres in den Hyaden

bild 01

 

Aufsuchkarte des Offenen Sternhaufens NGC 7789

bild 02

 

Foto des Offenen Sternhaufens NGC 7789

bild 05

 

Aufsuchkarte des Offenen Sternhaufens NGC 457

bild 06 

 

Foto des Offenen Sternhaufens NGC 457

bild 07

 

Aufsuchkarte des Emissionsnebels NGC 281

bild 06

 

Foto des Emissionsnebels NGC 281

bild 07

 

Aufsuchkarte des Galaktischen Nebels IC 1848

bild 08

 

Foto des Galaktischen Nebels IC 1848

bild 09

 

Aufsuchkarte des Galaktischen Nebels IC 1805

bild 10

 

Foto des Galaktischen Nebels IC 1805

bild 011

 

 

 

 

Quelle: Andreas Kaczmarek

 

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