
An den Grenzen des Wissens: UFOs, Wissenschaft und die Politik des Unbekannten
Warum faszinieren uns Anomalien so sehr – und warum geraten gerade UFOs zunehmend in den Fokus von Wissenschaft, Medien und Politik? Der Vortrag beleuchtet das besondere Spannungsverhältnis zwischen wissenschaftlicher Erkenntnis, politischer Ordnung und Phänomenen, die sich nicht eindeutig erklären lassen. Denn Anomalien sind nie nur technische oder naturwissenschaftliche Probleme. Sie berühren immer auch Fragen von Glaubwürdigkeit, Macht, Unsicherheit und gesellschaftlicher Deutung.
Ausgehend von den aktuellen Debatten um sogenannte Unidentified Anomalous Phenomena (UAP) zeichnet der Vortrag die Entwicklung von den UFO-Diskursen des Kalten Krieges bis zu den jüngsten Anhörungen im US-Kongress nach. Im Zentrum steht dabei weniger die Frage, was UFOs sind, sondern warum Gesellschaften so intensiv auf die Möglichkeit des Unbekannten reagieren. UFOs werden so zu Projektionsflächen für Hoffnungen, Ängste und Zukunftsvorstellungen – und zu einem Spiegel gesellschaftlicher Konflikte über Transparenz, Geheimhaltung und Vertrauen in Institutionen.
Zugleich schlägt der Vortrag eine Brücke zu aktuellen Debatten über künstliche Intelligenz. Denn sowohl bei KI als auch bei UAP geht es um die Herausforderung, mit möglicher nicht-menschlicher Intelligenz und epistemischer Unsicherheit umzugehen. Die Frage „Sind wir allein?“ wird damit nicht nur zu einer wissenschaftlichen, sondern auch zu einer politischen und kulturellen Frage über die Stellung des Menschen im Universum.
Referent: Christian Peters